
Ich arbeite mit dem, was übrig bleibt!
Interview mit mir selbst über Wahrnehmung, Sehen und Langsamkeit,
Reina, was passiert innerlich, bevor du überhaupt ein einziges Papiersnippet in die Hand nimmst?„Bevor ich arbeite, passiert sehr viel – und gleichzeitig nichts Konkretes. Es ist eher ein Zustand von Offenheit. Ich sammle Eindrücke, ohne sie sofort bewerten zu wollen. Farben, Licht, Strukturen lagern sich ab. Wenn ich dann beginne, ist es kein Plan, sondern ein innerer Druck: Jetzt muss etwas raus. Das eigentliche Arbeiten ist dann fast meditativ. Ich entscheide nicht rational, welches Stück Papier wohin gehört – ich platziere es fast intuitiv.
Deine Technik wirkt entschleunigt in einer sehr schnellen Welt. Ist Snippet Painting auch eine Haltung?
Absolut. Snippet Painting ist für mich eine Gegenbewegung zur Über-forderung. Wir konsumieren Bilder im Sekundentakt, wischen weiter, vergessen sofort. Meine Arbeiten verlangen Zeit – von mir und von den Betrachtenden.Jedes einzelne Papierschnipsel wurde bewusst gewählt, gerissen, platziert. Diese Langsamkeit ist kein nostalgisches Statement, sondern eine Notwendig-keit. Ich möchte Bilder schaffen, die bleiben.
Du arbeitest mit Material, das eigentlich schon eine Geschichte hat. Was reizt dich daran?
Papier trägt Erinnerung. Magazine sind Momentaufnahmen unserer Zeit – Trends, Versprechen, Oberflächen. Mich interessiert, was passiert, wenn ich diese ursprüngliche Bedeutung auflöse und neu zusammensetze.
Ich nehme etwas Vorgefundenes und gebe ihm eine andere Bedeutung. Aus Wegwerfmaterial entsteht etwas Dauerhaftes. Das hat auch etwas sehr Tröstliches.
Viele Künstler:innen suchen jahrelang nach „ihrem Stil“.
Wie würdest du deinen heutigen Ausdruck beschreiben?
Ich würde sagen: komplex, verdichtet, poetisch.
Meine Bilder sind nicht laut, aber sie behaupten sich. Sie erzählen nichts Konkretes und lassen trotzdem viel Raum. Sie sind einzigartig und komplex.
Welche Rolle spielt die Natur in deiner Arbeit?
Eine große. Es ist das zentrale Element in meinen Arbeiten.
Ich reagiere stark auf Landschaften, Licht und die Übergänge der Natur. Es entsteht eine besondere Ruhe und Besinnung. Diese Ruhe herzustellen und gleichzeitig Spannung zu erzeugen – das interessiert mich.
Was möchtest du auslösen, wenn jemand vor einem deiner Werke steht?
Ich wünsche mir einen Moment der Stillstellung. Einen kurzen inneren Halt.Wenn jemand nähertritt, innehält und vielleicht denkt: Ich weiß nicht warum, aber das berührt mich, dann ist das genug. Meine Kunst will nichts erklären – sie will öffnen.
Dein beruflicher Weg war alles andere als geradlinig. Hat das deine Kunst beeinflusst?
Sehr. Ich habe viele Systeme von innen kennengelernt – Medizin, Universität, Agenturwelt. Das hat meinen Blick geschärft für Strukturen, Erwartungen und Zwänge.
Heute weiß ich: Diese Erfahrungen haben mich nicht von der Kunst weggeführt, sondern zu ihr hin. Ich arbeite jetzt freier, aber auch bewusster.
Danke für das Interview!
So weit, So gut
Studium Universität der Künste, Berlin
Gesellschafts- und WIrtschaftskommunikation
seit 2025
geschäftsführende Mit-Vorständin
Gemeinschaft Lübecker Künstlerinnen und Künstler, Lübeck
Ausstellungen
2025 Gemeinschaftsausstellung ARTLER: "Wer macht denn sowas?"
2025 Frank Siebert Galerie Lübeck, Einzelausstellung, "Höhenflüge", Lübeck
2024 Gemeinschaftsausstellung GLK Lübeck
2023 PINK Gallery, Doppelausstellung, "überland", Berlin

