„Über mich – Reina von der Wyk, Snippet Painting Künstlerin“

Zwischen Papier und Präsenz

Interview mit mir selbst über die Kunst und den Wunsch, sichtbar zu werden.

Reina, deine Arbeiten bewegen sich zwischen Material-experiment, Papiermalerei und stiller Radikalität. Was treibt dich aktuell in deiner künstlerischen Praxis an?
 Mich treibt vor allem die Frage an, wie viel Reduktion ein Bild aushalten kann – und wann es beginnt, eine Verbindung aufzubauen. Sowohl mit mir als auch mit den Betrachtenden. Ich arbeite immer stärker mit dem Weglassen. Meine Papiermalerei basieren auf diesem Gedanken. 
Es geht nicht darum, ständig Neues hinzuzufügen, sondern das Wesentliche sichtbar werden zu lassen.

Deine Papiermalerei wirken wie eine bewusste Gegenposition zur digitalen Bilderflut. Welche Rolle spielt diese Haltung im heutigen Kunstbetrieb?
Eine große. Der Kunstbetrieb ist längst Teil dieser allgemeinen Beschleunigung geworden – Ausstellungen wechseln schnell, Aufmerksamkeit ist fragmentiert und Bilder werden oft nur noch im Vorübergehen wahrgenommen.

Ich sehe meine Arbeit fast als einen Gegenentwurf dazu. Papier fordert Nähe und Zeit. Die unterschiedlichen Schichten, Kanten und Strukturen erschließen sich nicht sofort. 
Genau darin liegt für mich eine Qualität, die heute selten geworden ist. Ich glaube, dass Werke, die entschleunigen, eine andere Form von Bindung schaffen. Sie funktionieren nicht auf den ersten Blick, dafür aber nachhaltiger. Das wird auch im Kunstmarkt zunehmend relevant.

 

 

Wie positionierst du dich im Kunstmarkt – eher intuitiv oder strategisch?
Der Kunstbetrieb kennt mich nicht – und genau deshalb beschäftige ich mich zunehmend mit der Frage, wie ich meine Arbeit sichtbar machen kann. Schließlich möchte ich, dass die Werke Menschen erreichen und dass meine Position als Künstlerin wahrgenommen wird.

Dabei geht es mir nicht darum, mich dem Markt anzupassen oder Trends zu folgen. Mir ist wichtiger, eine klare künstlerische Haltung zu entwickeln und diese verständlich zu kommunizieren. Bekannt zu werden bedeutet für mich nicht, mich zu verändern, sondern die eigene Sprache konsequent nach außen zu tragen. Wenn Menschen dadurch Zugang zu meiner Arbeit finden, ist das für mich der richtige Weg.

Viele Künstlerinnen und Künstler kämpfen mit Sichtbarkeit. Was hat dir geholfen, erste Aufmerksamkeit zu generieren?
Konsequenz. Und Klarheit.

Ich habe aufgehört, meine Arbeit so zu erklären, dass sie Erwartungen erfüllt. Stattdessen zeige ich sie so, wie sie ist. Das zieht automatisch die richtigen Menschen an – auch wenn es vielleicht langsamer geht. Und natürlich: Präsenz. Regelmäßig Arbeiten zeigen, Einblicke geben und Prozesse sichtbar machen. Sichtbarkeit entsteht nicht einmal, sondern kontinuierlich.

Deine Arbeiten verlangen Zeit. Ist das heute überhaupt noch zeitgemäß?
Gerade deshalb vielleicht mehr denn je. Ich glaube, dass viele Menschen eine gewisse Müdigkeit gegenüber der permanenten Reizüberflutung verspüren. Kunst muss nicht immer laut sein. Sie darf auch leise sein und sich erst nach und nach erschließen. Meine Arbeiten wollen keine schnellen Antworten liefern. Sie laden dazu ein, genauer hin-zusehen. Wenn ein Werk es schafft, dass jemand einen Moment länger verweilt, hat es bereits etwas erreicht.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft deiner Arbeit?
Ich möchte mich nicht wieder-holen, sondern die Möglichkeiten von Papier, Fragment und Malerei weiter erforschen. 
Mich interessiert die Frage, wie sich aus einfachen Materialien komplexe Erfahrungen erzeugen lassen. Vielleicht ist genau das mein eigentlicher Antrieb: mit dem zu arbeiten, was übrig bleibt – und darin etwas Neues sichtbar zu machen.

 

 

Danke für das Interview!

Interviews

So weit, So gut

Studium Universität der Künste, Berlin
Gesellschafts- und WIrtschaftskommunikation
 

Mitgliedschaften
von 2025__2026
geschäftsführende Mit-Vorständin 
Gemeinschaft Lübecker Künstlerinnen und Künstler, Lübeck

seit 2024 Mitglied Gemeinschaft Lübecker Künstlerinnen und Künstler e.V. Lübeck

Ausstellungen
 2025726 Gemeinschaftsausstellung ARTLER: 
"Wer macht denn sowas?", Lübeck

2025 Frank Siebert Galerie, Einzelausstellung, "Höhenflüge", Lübeck

2024 Gemeinschaftsausstellung GLK Lübeck

2023 PINK Gallery, Doppelausstellung, "überland", Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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